Johann Künzle, Kräuterpfarrer, 03.09.1857-†09.01.1945

Johann Künzle, Kräuterpfarrer, 03.09.1857-†09.01.19452019-01-04T10:21:11+02:00

Project Description

Johann Künzle, Kräuterpfarrer

Biographie
Kräuterpfarrer Johann Künzle, 3. September 1857 bis 9. Januar 1945

Primiz – erste Anstellungen
1880 zurückgekehrt in die Schweiz, erfolgte Ostern 1881 die Primiz in der Kathedrale St. Gallen. Der junge Pfarrer wurde sofort als Vikar nach Gommiswald entsandt. Eine Versetzung folgte der anderen: nach Mels SG, ins toggenburgischen Kirchberg SG, in die Bergpfarrei Libingen SG und von 1890 bis 1893 als Pfarrer nach Amden SG. Pfarrer Künzle fand durch seine unkomplizierte, direkte Art immer den Weg in die Herzen seiner ihm anvertrauten Menschen. Das vielseitige Hel- fen beinhaltete auch die Pflege von Kranken, was zur Erkenntnis einer ganzheitlichen Sichtweise für das Wohlergehen des Einzelnen führte, was ihn später zum Kräuterpfarrer werden liessen. Sein Wissen über einfache Heilmethoden, wenn kein Arzt zugegen war, rettete manch einen
vor dem Tode. Neben der Sorge für die Seelen wuchs immer mehr die Sorge für das körperliche Wohl der Pfarrkinder.

Das Wissen der Herrgottsapotheke
Nach Amden wurde Pfarrer Künzle Pfarrer in Buchs SG. Ab 1907 amtete er für zwei Jahre in Herisau AR. Dort konnte er auf einer Gant das Medizinalkräuterbuch des im 16. Jahrhundert in Basel verstorbenen Medizinprofessor Dr. Jakob Theodor Tabernæmontani ersteigern. Das umfang- reiche Werk beschrieb die Pflanzen aus botanischer wie auch aus medizinischer Sicht, mit Hinweis auf deren Verwendung, bis zurück ins Altertum. Somit basierte sein Wissen nicht nur auf natur-, sondern auch auf medizinischem Ursprung. Seine Studien ergänzte er weiter durch Erkenntnissen aus dem Werk der Hildegard von Bingen. Immer auf der Suche nach der Heilwirkung einer Pflan- ze, verfeinerte er sein Wissen und setzte dieses um. In seiner Pfarrei gehörte die Sorge um das Wohlergehen der Menschen zur Seelsorge. Der Strom von medizinisch hilfesuchenden Menschen nahm zu.

Pfarrer oder Naturheilarzt
Im Kanton St. Gallen war das Praktizieren als Naturheilarzt nicht erlaubt. Die zuständigen Ob- rigkeiten rieten dem Pfarrer, nachdem er vom Dorfarzt beim zuständigen Bischof angeschwärzt wurde, das «Doktern» aufgeben. Einem Befehl hätte er gehorcht, nicht aber einer Empfehlung. Der damalige Churer Bischof hingegen machte dem eigenwilligen Mann Mut und empfahl ihm, sich in seiner Diözese niederzulassen. 1920 zog daher Pfarrer Künzle mit seiner Nichte, welche ihm als Haushälterin und Sekretärin seit Jahren zur Seite stand, nach Zizers GR. Nach diesem Ortswechsel wandte er sich ganz der Naturheilkunde zu. Der Zulauf auch am neuen Ort war enorm. Wo Freud ist, ist auch Leid. In Zizers GR wirkten bald Neider gegen den erfolgreichen Kräuterdoktor und zeigten ihn bei den Obrigkeiten in Chur an. Wieder stand Pfarrer Künzle im Kreuzfeuer der Kritik. Der Unmut in der Bevölkerung gegen diese Machenschaften war gross. Gross war auch das Engagement der Bevölkerung, sich mit einem eigenen Willen bei der Arzt- wahl durchzusetzen. Nach einer Unterschriftensammlung kam es zur berühmten Abstimmung über die Heilkräuterinitiative im Kanton Graubünden. Das Volk entschied sich klar für deren Zulassung.
Der Naturheilarzt muss zum Examen
Um seines Amtes walten zu können, musste der inzwischen 65-Jährige in Chur zu einer Prüfung beim Sanitätsdepartement antreten. Das Erstaunen der Examinatoren war gross, als der Prüfling sich erkundigte, ob er die gestellten Fragen in Latein oder Griechisch beantworten solle. Nach dieser Hürde konnte sich Pfarrer Künzle seinen Patienten, seinen Studien, seiner verlegerischen Tätigkeit und seiner Heilkräuterproduktion widmen. 1939 gründete er in Zizers GR die «Kräu- terpfarrer Künzle AG». Ein Betrieb von beachtlicher Grösse entstand, unzählige Kräutersammler lieferten ihre gesammelten Pflanzen in der Kräuterapotheke in Zizers GR ab.

Das Vermächtnis
Seine gesammelten Erfahrungen verarbeitete der Kräuterdoktor im «Das grosse Kräuterheil- buch», das 1944 kurz vor seinem Tode erschien. Mit diesem Werk übergab er sein Vermächtnis der leidgequälten Menschheit, auf dass sie sich jederzeit Rat holen konnte. In der Nacht vom 8. auf den 9. Januar 1945 verstarb Pfarrer Johann Künzle mit 87 Jahren in seinem Heim in Zizers GR. Am 11. Januar wurde er in Wangs SG, seiner letzten Seelsorgegemeinde, zu Grabe getragen.
Literatur:
Kräuterpfarrer Johann Künzle «Das Grosse Kräuterheilbuch», Verlag Albatros, 2006, unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 1945
«Chrut und Uchrut» von Kräuterpfarrer Joh. Künzle, Verlag Kräuterpfarrer Künzle AG, CH-6648 Minusio (Schweiz), aktualisierte und überarbeitete Ausgabe von Peter Oppliger, 2007, AT Verlag

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